Im Betreuungskonzept der Mutter-Kind-Gruppen der Leppermühle werden drei aufeinander aufbauende Betreuungsmodule angeboten:

• Modul 1
Vollstationäre pädagogische Betreuung von Mutter und Kind über Tag und Nacht.
• Modul 2
Stationäre Wohneinheiten mit intensiver pädagogischer Bezugsbetreuung im Tagdienst. In Krisensituationen kann auf Absprache Rufbereitschaft oder Nachtbereitschaft eingerichtet werden.
• Modul 3
ambulante Nachbetreuung der Familie im Rahmen von Fachleistungsstunden.

Modul 1
Die vollstationäre Mutter-Kind-Gruppe in Reiskirchen hat sieben Plätze für Mütter mit je einem oder zwei Kindern. Für diesen Personenkreis sind insgesamt vier Wohneinheiten im Haus vorhanden. Die zwei geräumigen 4-Zimmer Wohnungen teilen sich jeweils zwei Mütter mit einem Kind. Ihnen steht innerhalb der Wohnung je ein Wohn- und Schlafzimmer zur Verfügung. Das Bad, ein separates WC und die Küche werden gemeinsam genutzt. Für Mütter mit zwei Kindern sind im Dachgeschoss zusätzlich zwei 3-Zimmer-Wohnungen vorhanden.

Der Gemeinschaftsbereich befindet sich im Erdgeschoß des Hauses. Die Räumlichkeiten bestehen aus Büro, Küche, Wohn- und Esszimmer sowie einem Bereitschaftszimmer für die Nacht.
Die Gruppe wird von sechs Pädagoginnen über 24 Stunden im Schichtdienst betreut.

In dieser Eingangsstufe werden vor allem Mütter aufgenommen, bei denen die Sicherung des Kindeswohles im Vordergrund steht und ein hoher Unterstützungsbedarf in allen Lebensbereichen gegeben ist.

Modul 2
Die Betreuungsform des Moduls 2 umfasst insgesamt sechs Plätze. Hierfür stehen in zwei benachbarten Häusern sechs kleine Familienwohnungen zur Verfügung. Zudem befinden sich in einem der Häuser das Betreuerbüro, Schulungs- und Besprechungsräume sowie der hauswirtschaftliche Arbeitstrainingsbereich. Aufgenommen werden im Modul 2 sowohl Mütter aus der vorherigen Betreuungsstufe (Modul 1) als auch externe Personen, die über die Voraussetzungen dieser selbstständigeren Betreuungsstufe verfügen.
Alle fünf Pädagoginnen arbeiten hier ausschließlich im Tagdienst. Das vorgegebene enge Bezugsbetreuungssystem orientiert sich ganz individuell an dem Bedarf der zu betreuenden Mutter.

Modul 3
Das Modul 3 bietet die Möglichkeit einer ambulanten Nachbetreuung der von uns betreuten Mütter in ihren eigenen Wohnungen. Im Rahmen von Fachleistungsstunden begleiten unsere pädagogischen Fachkräfte den Übergang der Familie in ihre eigene Lebenswelt. Der hierfür notwendige Betreuungsumfang wird in der Hilfeplanung mit dem Jugendamt festgelegt.
Im Idealfall bauen die drei Stufen aufeinander auf, bis das Ziel einer eigenständigen Lebensführung erreicht ist.

Kinderbetreuung
Zwei Pädagoginnen und eine Erzieherin in Ausbildung betreuen im hausinternen Kinderbetreuungsbereich maximal sechs Kinder bis zum Kindergartenalter. Die Betreuungszeiten sind montags bis freitags von 7.30 Uhr bis 15.00 Uhr.
Zusätzlich wird zur Entlastung der Mütter an zwei Nachmittagen in der Woche von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr eine offene Betreuung für alle Kinder angeboten. Ein weiteres Angebot ist die Spiel- und Entwicklungsförderung in einer separaten Baby bzw. Mutter-Kind-Spielgruppe.

Arbeitstraining Hauswirtschaft
An vier Vormittagen wöchentlich findet in der Zeit von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr ein von einer pädagogischen Fachkraft geleitetes Arbeitstraining im hauswirtschaftlichen Bereich statt. Hier steht der Erwerb alltagsnaher, lebenspraktischer Kompetenzen im Bereich Hygiene, Ernährung und Haushaltsführung im Vordergrund. Gleichzeitig ist beabsichtigt, durch projektorientierte Arbeit die Gruppenfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Teamfähigkeit der Teilnehmerinnen zu stärken. Vorhandene Abneigungen gegen Lernsituationen sollen abgebaut und Raum für neue, positive Erfahrungen geschaffen werden. Zudem bereitet das Arbeitstraining die Eingliederung der jungen Frauen in die reale Arbeitssituation vor und sorgt für eine zuverlässige Tagesstruktur der Teilnehmerinnen.

Zielgruppe
Aufgenommen werden sowohl minderjährige als auch volljährige alleinerziehende Mütter (in Modul 2 im Einzelfall auch Väter) mit ihren Kindern im Vorschulalter. Schwangere Frauen werden in Absprache mit dem zuweisenden Jugendamt in der Regel im letzten Drittel der Schwangerschaft aufgenommen.
Die Hilfe richtet sich an Mütter, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsentwicklung oder ihrer psychischen bzw. psychosozialen Lage einen besonderen Unterstützungsbedarf bei der Pflege und Erziehung ihrer Kinder haben.
Von der Aufnahme ausgeschlossen sind Mütter, bei denen eine Suchtmittelabhängigkeit gegeben ist oder eine akute psychische Erkrankung vorliegt. Ebenso gilt eine ausgeprägte geistige Behinderung als Ausschlusskriterium.
Das zuständige Jugendamt muss die Betreuung in der Mutter-Kind-Gruppe befürworten und dies durch einen entsprechenden Leistungsbescheid bestätigen.

Konzept
Das Modul 1 beinhaltet eine vollstationäre Unterbringung mit einer Betreuung rund um die Uhr durch das Fachpersonal. Mit dieser Unterstützung sollen die Mütter grundlegende Kompetenzen in der Versorgung und Förderung ihrer Kinder erwerben und zu einer selbstständigen Lebensführung befähigt werden.
Zu den Aufgaben des Betreuerteams gehören zudem die Einschätzung des Entwicklungsstandes der Kinder sowie die Einleitung der jeweils notwendigen Fördermaßnahmen.
Das Modul 2 setzt voraus, dass grundlegende Abläufe in der Alltagsversorgung der Kinder und des Haushaltes von der Mutter eigenverantwortlich bewältigt werden können. Der Schwerpunkt der Unterstützung hier liegt im Wesentlichen im Erwerb aller notwendigen erzieherischen Kompetenzen und Verantwortlichkeiten. Dies geschieht durch eine regelmäßige Spielbegleitung, wechselnde Workshops zum Thema Entwicklung und Erziehung und Beratung auf der Grundlage der Marte Meo - Methode.

Diese Methode basiert auf einer videogestützten Interaktionsanalyse. Hierzu werden Videoaufnahmen in Alltagssituationen von Mutter und Kind (z. B. Essens- oder Spielsituation) erstellt. Diese Aufnahmen werden mit den Müttern ausgewertet unter besonderer Berücksichtigung der positiven Aspekte der Mutter-Kind-Interaktion. Im Anschluss daran werden gemeinsam Hinweise zur Umsetzung konkreter Handlungsschritte in der alltäglichen Erziehungssituation erarbeitet.

Grundsätzlich werden in der Mutter-Kind-Betreuung die vorhandenen Ressourcen im sozialen und emotionalen Bereich gestärkt und weiter ausgebaut. Ein enges Bezugsbetreuungssystem unter Wahrung größtmöglicher Eigenständigkeit der betreuten Mütter schafft hierfür gute Voraussetzungen.

Die Betreuung im Bereich der Mutter-Kind-Gruppen umfasst im Wesentlichen die folgenden Schwerpunkte:

1. Sicherstellung des Kindeswohls

2. Förderung aller lebenspraktischen Fertigkeiten der Mütter sowie ihre Anleitung und Unterstützung bei der Versorgung ihrer Kinder.

3. Stärkung der Mutter-Kind-Bindung und Vermittlung von notwendigen Erziehungskompetenzen.

4. Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der Mutter sowie ihre Begleitung bei der Reflektion ihrer bisherigen Lebenssituation.

5. Aufbau einer schulischen oder beruflichen Perspektive.

6. Erweiterung sozialer Kompetenzen und die Einbindung der Mütter in soziale Netzwerke.

Impressionen